Ihr seid das Licht der Welt

Evangelisch-Lutherische Epiphanias-Gemeinde Guatemala

Granja Hesse – 30. Juli 2023

Geschichte zum Familiengottesdienst 

Pfr. Thomas Reppich

„Ihr seid das Licht der Welt – Ustedes son la luz del mundo“

„Hallooooo!“

Das Alpaka stupst den Esel an. Widerwillig öffnet er seine Augen. 

„Was ist los? Warum schreist du so laut? Ich habe gerade so ein schönes Nickerchen gemacht!“

„Es ist doch noch früh am Morgen und schon wieder schläfst du. Was ist nur los mit dir?“

„Es ist Sonntag und heute gab es zur Feier des Tages etwas ganz besonderes zum Frühstück.“

„Ich wollte dich abholen.“

„Abholen? Komm lass mich noch eine Runde schlafen. Ich bin noch so müde. Das Frühstück war zu gut.“

„Ich wollte dich mitnehmen.“

„Mitnehmen?“

Dem Esel fallen wieder die Augen zu.

„Nun komm schon. Lass uns auf die Granja Hesse gehen. Ich hab im Dorf gehört, da ist heut was los.“

„Was los? Du meinst da gibt es etwas zu essen?“

„Auch“, antwortet das Alpaka.

„Dann bin ich dabei.“

Schneller als es sehen kann, ist der Esel aufgesprungen.

„Dann mal los. Keine Zeit verlieren, sonst ist von den Köstlichkeiten doch nichts mehr zu haben.“

„Beruhige dich. Du weißt schon, was eine Granja ist.“

„Nööööö“, entgegnet der Esel. „Sag du es mir.“

„Manche sagen auch Finca. Jedenfalls wachsen auf der Granja Hesse ganz viele leckere Pfirsiche.“

„Mmmh“, mir läuft beim Gedanken daran das Wasser im Mund zusammen. Ich habe noch nie Pir… Wir heißen die noch?“

„Pfirsiche.“

„Sag ich doch. Pirsiche.“

„Pfirsiche mit PF.“

„Egal. Hauptsache sie schmecken gut.“

„Nun warte einmal. Wir müssen uns erst noch etwas überlegen, d.h. eine kleine Aufgabe lösen.“

„Sind wir in der Schule, oder was?“

„Nein, aber jede und jeder der heute da ist, hat die Aufgabe sich zu überlegen, was an einem so toll ist, dass es andere eine Freude macht.“

„Ihr seid das Licht der Welt! Meinst du das?“

„Ich versehe nicht so recht, was du meinst?“

„Ich erinnere mich gut, wie unser Religionslehrer in der Eselschule uns vor Jahren nahegebracht hat, dass jede und jeder von uns eine ganz besondere Gabe hat.“

„Ich kann schnell laufen“, erwidert das Alpaka.

„Ja, und ich bin stur wie ein Esel! Nein, das ist damit nicht gemeint. Gedacht ist an etwas, was nur du kannst und ich darum so toll an dir finde. So wie meine Großmutter. Keine macht bessere Pfannkuchen. Oder mein Onkel. Keiner bringt mich so zum Lachen, wie er, vor allem wenn ich sehr traurig bin.“

„Genau. Oder wie Jesus, der so tolle Geschichten erzählt hat und für alle immer ein passendes Wort hatte.“

„Manche soll er sogar wieder gesund gemacht haben“, ergänzte der Esel.

Das Alpaka sah den Esel herausfordernd an.

„Und nun, was ist das Besondere an dir, mein Lieber?“

Verlegen sah der Esel auf den Boden.

„Ich weiß nicht. Ich kann nicht Kochen und andere zum Lachen bringen kann ich auch nicht. Vielleicht sollte ich es dennoch mal probieren.“

„Nein, stopp. Wir sollen niemanden nachmachen. Was kannst nur du? Überlege mal.“

„Nun ja. Mein Großvater sagte mir mal, wir Esel kämen aus einer besonderen Familie. Maria und Josef. Du weißt schon. In schwierigen Situationen können wir gut Lasten tragen… und dies auch durch schwierigstes Gelände. Darum ziehen Zweibeiner es auch vor, auf uns sich an ihr Ziel tragen zu lassen. Wir haben sozusagen magische Beine, die noch sicher stehen, wenn andere längst den Abhang heruntergekullert wären.“

„Toll. Das ist ja geradezu göttlich. Von Gott heißt es doch auch, dass er uns auf schwierigen Wegen durchs Leben trägt. Wow! Ich beneide dich.“

„Und du, nun lass hören, was dich so besonders macht.“

Nun war es das Alpaka, was beschämt auf den Boden sah.

„Mit dir kann ich nicht mithalten.“

„Stell dein Licht nicht unter einen Eimer. Auch dein Licht kann hell leuchten. Also!“

Das Alpaka denkt eine Weile nach. Dann kommt ihm ein Gedanke:

„Als Alpaka verbringe ich meine Zeit gerne mit anderen. Du kannst dir denken, dass dies nicht immer so einfach ist. Alpakas können auch ganz schön stur sein. Aber wenn es Probleme gibt, dann halten wir alle zusammen. Vor allem wenn es darum geht, einen schönen Weideplatz zu finden, oder wenn es nachts schon einmal sehr kalt wird.“

„Siehst du. Ich wusste doch, dass du auch etwas zu erzählen hast.“

„Können wir uns jetzt endlich auf den Weg machen?“

„Klar doch. Ich bin gespannt, was wir heute noch erleben werden. Und ich bin sicher, wir werden so manches Licht funkeln sehen.“