
Predigt am 15. Sonntag nach Trinitatis
Ev. Kirche Niederhosenbach/Ev. Kirche Wickenroth
8. September 2024
Matthäus 6,33-34
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Liebe Gemeinde,
Sorglosigkeit ist ein wirklicher Schatz, vielleicht der größte neben dem Leben, das Gott uns geschenkt hat.
Und doch kennen wir die Sorge, die bohrenden Fragen, jene Zweifel, die uns nachts den Schlaf rauben.
Was wird werden? Es kann doch kein gutes Ende nehmen, wenn alles so weiter geht?
Im Februar diesen Jahres wurden Bundesbügerinnen und Bundesbürger gefragt, was Ihnen Sorgen bereitet:
Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180147/umfrage/groesste-sorgen-der-deutschen/
Sorgen wie diese könnte man durch manche Fakten widerlegen und für unbegründet erachten. Wir wissen aber auch: Gegen unser Bauchgefühl kommen auch die besten Fakten nicht so recht an. Außerdem sagen andere uns: Hört nicht nur auf euren Verstand. Hört mehr auf euren Bauch.
Und wir nicken, gerade in Situationen, in denen die Verhältnisse unübersichtlich sind, Meinungen auseinandergehen, die Experten keine Einigkeit erzielen, oder unser Bauch uns einfach signalisiert: Gibt Acht!
Wie können wir zurückfinden zu einer Gelassenheit die, die eigenen Sorgen und Ängste und jene unsere Lieben – aber auch jene gesamtgesellschaftlichen – ernst nehmen und gleichzeitig uns nicht kopflos werden lassen. Denn schließlich: Was Kopf und Bauch uns sagen hat doch beides seine Berechtigung.
Für jene, die auf Nummer sicher gehen wollen ist jede Form der Gelassenheit unverständlich, gerade zu ärgerlich. Sicher ist sicher, denn schließlich: „Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste.“ Wer sich von Gelassenheit und Sorglosigkeit leiten lässt, steht nicht mehr mit beiden Beinen auf der Erde – und darauf kommt es schließlich an: die Welt und Gegebenheiten sehen wie sie sind. Wer dies nicht tut, muss sich nicht wundern…
Wir Christenmenschen können uns nicht davon frei machen, dass solche Gedanken auch uns bestimmen können.
Gleichsam greifen wir manchmal zu wundersamen Mitteln, wenn wir dann doch zum Wunderstab der Sorglosigkeit und Gelassenheit greifen. Warum ist das so?
- Zum Einen, weil wir uns mit anderen verbunden fühlen. Wir vertrauen darauf, dass wir gemeinsam vieles zusammentragen können, was wir alle zum Leben, manchmal auch zum Überleben brauchen. Es sind die vielen Erfahrungen, dass es am Ende wider erwartend doch gereicht hat, mehr noch: Im gegenseitigen Teilen haben wir ein Glück erfahren, dass wir uns selbst aus eigener Hand gar nicht geben konnten.
- Und zum Anderen, weil wir tief in uns darauf vertrauen, dass Gott in seiner Dreiheit, als Vater, Sohn und Geist, je auf verschiedene Weise mit uns auf dem Weg ist und für uns sorgt.
Ja, auch Morgen wird sich einiges von dem Vorhersehbaren ereignen. Das ist gewiss. Und dennoch: Die Sorge darum kann uns den Tag gehörig verhageln und jede Zuversicht und Kraft nehmen, diesen überhaupt erst zu beginnen.
Ja schlimmer noch: Zu dem Vorhersehbaren wird sich an manchen Tagen das Unvorhersehbare gesellen. Vielleicht ereignet sich sogar etwas, das unser Leben gänzlich auf den Kopf stellt.
Jesus begegnet der Sorge seiner Jünger nie mit dem Hinweis: „Da gibt es keinen Grund, sich sorgen zu machen.“ Eher könnte er sagen: „Ihr habt allen Grund euch Sorgen zu machen, aber weil dem so ist, haltet im Blick, dass ihr nicht alleine seid. Ihr seid eine Gemeinschaft. Da könnt ihr euch gegenseitig stützen und für einander sorgen. Was der eine nicht hat, kann die andere mit euch teilen. Ihr seid nicht allein, schaut euch um!“
Die Sorge gehört wie das tägliche Brot zum Leben. Ihr mit Gelassenheit und Vertrauen zu begegnen, wird ihre mahnende Stimme nie zum Schweigen bringen können. Und doch werden wir uns trotz ihr, stark genug fühlen an der Seite anderer und an der Seite unseres Gottes durch den kommenden Tag zu gehen. Amen.
