29. September – 5. Oktober 2025 – Sorglosigkeit

„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ 1. Petrus 5,7

Täglich bin ich ich und doch ganz viele. Als Vater bin ich anders als der Kollege am Arbeitsplatz. Als Freundin anders, als Partnerin in einer Beziehung. Ich entscheide mich ganz bewusst in diesem Augenblick für diese Identität und in einem anderen für eine andere. Was bisweilen widersprüchlich erscheint, ist die mir gegebene Fähigkeit, in unterschiedlichen Zusammenhängen angemessen – nicht angepasst – mich zu bewegen. Ich lasse  mich darauf ein anders zu denken, zu fühlen und zu reden, weil ich weiß, dass ich nur so anderen „nahe“ kommen kann. 

Kommt mir die Gelassenheit, mich hier so und dort anders zu fühlen, denken und verhalten zu können abhanden, so ist der Kampf unterschiedlicher Identitäten in mir entfacht. Eine glaubt erhebt sich in ihrer Sorge über die andere und beginnt, sie zu unterdrücken. Im Irrglauben, das Gebotene tun zu müssen, verliere ich schnell meinen inneren Frieden.

Von dieser Sorge dürfen wir ablassen. In aller Demut vor dem Leben, entscheide ich mich jetzt so und später im Extremfall ganz anders zu sein. Ich habe nicht das Gefühl mich zu verlieren. Im Gegenteil, mein Anderssein schenkt mir neue und wertvolle Erfahrungen. Ich verrate nicht mein Ich, sondern erlaube einem Teil von mir, sich neu und sicher auch anders zu entfalten. Ich entgehe jenen Identitätsfallen, die mir mein Sein mir stellt, grenze mich nicht aus, sondern öffne mich und werde frei für die Vielfalt des Lebens.

All dies ist mir möglich, weil ich mich grundsätzlich getragen fühle und darauf vertraue, dass ER für mich sorgt.