Glück im Unglück

Geschichte „Glück im Unglück“

Zum Taufgottesdienst am 18. August in der Ev. Kirche Herren-Sulzbach

Pfr. Thomas Reppich

Das Alpaka Lisa  und Paul der Esel hören von weitem das Läuten der Glocken im nahegelegenen Herren-Sulzbach. 

Lisa„Gut, dass es das erste Läuten der Glocken ist.“

Paul sieht Lisa fragend an

Paul „Was meinst du? Erstes Läuten.“

Lisa „Nun ja. An jedem Sonntag wird eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst das erste Mal geläutet. Und später dann kurz vor Beginn nochmals.“

Paul „Du meinst, wir haben noch etwas Zeit? Das war doch das erste Läuten?.“

Lisa „So ist es. Aber trödeln sollten wir nicht, denn wir haben noch ein Stück vor uns. Und schließlich ist heute wieder eine Taufe.“

Paul „Wie schön. Die letzte Taufe in Oberstein, war sehr interessant, vor allem weil ein junger Mann sich hat taufen lassen. Wer wird heute getauft?“

Lisa „So viel ich weiß, die kleine Louise … Nun bleib nicht stehen, während du mit mir redest. Unterhalten können wir uns auch im Galopp.“

Lisa läuft voran. Plötzlich bleibt sie stehen.

Lisa „Sieh nur, Paul. Dort vorne an der großen Eiche. Da ist etwas buntes im hohen Gras.“

Paul versucht zu erkennen, was Lisa angesprochen hat.

Paul „Ich sehe nichts.“

Lisa „Doch, doch. Sieh doch genau hin. Da ist …“

Beide nähern sich und erkennen nun deutlicher, dass da wirklich etwas ist.

Lisa „Da ist ein … sieht doch aus wie ein Hahn.“

Paul „Der guckt aber total niedergeschlagen.“

Bald schon stehen beide vor dem Hahn und schauen auf ihn herab.

Lisa „Hallo Hahn. Ich bin Lisa und neben mir ist Paul. Und wer bist du?“

Der Hahn schaut ängstlich zu ihnen auf.

Hahn “Wie? Ich bin Guillaume.“

Paul „Wir wollen dich nicht weiter aufhalten. Wir sind selbst in Eile. Aber sag, du guckst so traurig. Was ist los? Können wir dir helfen?“

Hahn “Wie… eeehm … Ich bin Guillaume.“

Lisa „Aber was ist denn passiert?“

Hahn „Ich bin ein Versager. Ich komme von der Hühner-Olympiade. Ich hab’s nicht mehr ausgehalten. Alle haben mich ausgeschimpft.“

Lisa „Ich verstehe nicht ganz, was du meinst.“

Hahn „Ich war der Schlussläufer in der 4 x um den Teich Staffel. Wir waren die führende Mannschaft, vor den Enten, Gänsen und Truthähnen. Aber beim Wechsel habe ich den Staffelstab fallen gelassen und dabei soviel Zeit verloren, dass wir nur noch letzte geworden sind. Aus der Traum von einer Medaille. Wir haben so lange und so hart trainiert. Ich schäme mich so sehr… am liebsten würde ich mich in Luft auflösen.“

Paul „Olympiade. Das hört sich spannend an.“

Lisa „Paul, dass ist gerade nicht so wichtig. Guillaume ist fix und fertig und du …“

Lisa sieht Paul mit ernstem Blick an.

Paul „Du hast recht. Guillaume, ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll. Das Missgeschick mit dem Staffelstab oder die Reaktion deiner Teamkameraden.“

Hahn „Ehrlich gesagt: Die Enttäuschung meiner Mitläufer. Wir waren so gut. In den Vorläufen waren wir immer mit Abstand die besten. Und vor dem letzten Wechsel lagen wir klar in Führung. Und dann dieser Mist.“

Lisa „Ich würde dir keinen Vorwurf machen. Wer kann von sich schon sagen, dass ihm ähnliches nicht auch schon passiert ist. Und wenn demnächst nochmals so etwas passiert, dann wird derjenige auch froh sein, wenn du Verständnis zeigst und mitfühlend bist.“

Paul „In deinem Federkleid möchte ich gerade nicht stecken. Aber ehrlich gesagt, erinnert mich das an die gerade zu Ende gegangene Olympiade der Zweibeiner. Da stand doch eine Basketballerin mit ihrem Fuß knapp hinter der Dreipunktelinie und so wurde ihr letzter entscheidender Wurf nur mit zwei Punkten gewertet. Und futsch war die Goldmedaille. Aber ihre Mitspielerinnen habe sie getröstet. “

Der Hahn schaut fragend auf.

Hahn „Wirklich?“

Lisa „Und weißt du was? In der Heiligen Schrift der Zweibeiner gibt es eine sehr schöne Stelle: Sei tapfer und entschlossen! Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“(Jos 1,9).

Dem Hahn kommen die Tränen.

Hahn „Wie wunderbar wäre es, wenn dies auch für mich gelten könnte.“ 

Paul „Kumpel, das tut es doch. Gott ist ein Gott aller Geschöpfe. Was den Zweibeinern gilt, das gilt auch uns. “

Lisa „Mit Gott auf unserer Seite brauchen wir nicht den Mut zu verlieren, selbst dann nicht, wenn wir uns in Grund und Boden schämen.“

Der Hahn springt auf und umarmt Paul.

Hahn „Danke. Danke. Danke. Ihr seid gerade im rechten Augenblick vorbeigekommen. Jetzt geht es mir etwas besser.“

Lisa „Willst du nicht mitkommen? Wir sind auf dem Weg zum Gottesdienst.“

Hahn „Gottesdienst? Was ist das?“

Lisa „Zu einem Gottesdienst kommen die Zweibeiner meist in einer Kirche zusammen und feiern das Leben.“

Paul „Oder weinen auch mal eine Runde miteinander und trösten sich gegenseitig.“

Hahn „So wie ihr gerade mich getröstet habt!?“

Paul „Genau.“

Hahn „Ich begleite euch gerne. Ich bin sehr neugierig.“

Lisa „Wir auch, denn heute wird Louise getauft, d.h. ihre Eltern und Paten vertrauen sie dem Segen Gottes an. Aber bevor wir dir weitere Fragen über Gott, Segen und anderes beantworten, komm einfach mit. Du wirst sehen. Es wird dir sicher gefallen und hinterher können wir immer noch deine Fragen beantworten.

Paul „Dann mal los! Guillaume, spring auf meinen Rücken. So sind wir schneller da. Gerade hat das zweite Läuten begonnen.“

Hahn „Zweites Läuten? Ich verstehe nur Bahnhof.“

Lisa „Merk dir deine Fragen und später bekommst du auf alle eine Antwort.“

Bald schon sind die Drei in dem kleinen Wäldchen vor Herren-Sulzbach verschwunden. Von weitem hört man ihr ausgelassenes Lachen. 

Wie gut dass Gott uns liebe Begleiter zur Rechten Zeit schickt.