
Predigt zum 4. Advent 2024
Ev. Kirche Medard
Lobgesang der Maria – Lukas 1,46-55
Pfr. Thomas Reppich
Liebe Gemeinde,
haben Sie sich vielleicht auch schon mal gefragt, was manche Christen, vor allem unsere katholischen Geschwister an der Person Marias fasziniert?
In den Ländern Lateinamerikas ist viel von einer Verehrung zu spüren, die manchem von uns vielleicht zu weit geht. Je nach Land und Ort werden neben Maria noch andere Jungfrauen verehrt und zu bestimmten Anlässen im Jahr gefeiert.
Mein Nachdenken brachte mich zu jener kleinen Gemeinschaft, die mir noch während des Studiums literarisch von Ernesto Cardinal nahegebracht wurde: jenen Bauern von Solentiname und ihrem Evangelium.
Durch ihn wurde jener Archipel einiger Inseln im See von Nicaragua bekannt. Viele Menschen lebten als Ernesto Cardinal 1966 als junger Priester zu ihnen kam und eine kleine Kommunität gründete in Armut, viele ohne Schulbildung. Die Kindersterblichkeit war damals besonders hoch.
„Anstatt ihnen eine Predigt zu halten, lud er alle Anwesenden ein, nach dem Verlesen des Evangeliums der Gemeinschaft die eigenen Gedanken zum Evangelium mitzuteilen. Die Menschen teilten so ihre Gedanken zur frohen Botschaft Jesu. Es passierten wundervolle Dinge: die Bauern und Bäuerinnen nahmen ihren Alltag mit in den Gottesdienst. Ihre Alltagsfragen wurden zum Gottesdienst – und der Gottesdienst antwortete auf diese, ihre Fragen des Alltags. Glaube und Leben verschmolzen miteinander.“ https://weltkirche-blog.katholisch.de/vor-ort/2016/12/05/armut-als-das-fehlen-des-ueberfluessigen/
Ich bin sicher, gerade Maria hatte im Leben jener Christinnen und Christen von Solentiname eine besondere Rolle. Sie war im Grunde wie sie alle: Sie kam aus einfachen Verhältnissen. Und doch hatte sie Gott für Wert erachtet, die Mutter des Messias zu werden. Wenn sich damals Gott dieser eher umbedeutsamen Magd angenommen hat, sicher würde er dann auch ein großes Herz für die einfachen Menschen auf den vielen kleinen umliegenden Inseln haben.
Das Nachdenken über Maria lässt mich fragen: Wo war ich in den letzten Tagen mit meine Gedanken bei der Vorbereitung auf Weihnachten?
Greife ich Marias Wort in ihrem Lobgesang auf, so bringen sie mich nochmals ganz wo anders hin :
Gott schenkt sich selbst.
Er ist bereit, alles für uns zu geben.
Jesus, der Christus, hat uns dies eindrücklich gezeigt.
Nun ist es an uns, ihm zu folgen.
Was kann ich anderen schenken?, frage ich mich:
Zu allererst Aufmerksamkeit,
Mitgefühl und Respekt,
manchmal Liebe und Geborgenheit,
oft einfach nur Begleitung.
All dies lässt sich nirgends kaufen.
Und doch tragen wir reichlich davon in uns.
Schenken wir verschwenderisch davon in diesen Tagen.
Machen wir andere glücklich,
indem wir uns selbst schenken. Amen.
