
Verabschiedung Grumbach 1. März 2025
Vorspiel
Salutatio
Im Namen Gottes des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat,
der Bund und Treue hält ewiglich
und der nicht preisgibt das Werk seiner Hände.
Gepriesen sei das Reich des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
„Am Anfang schuf Gott.“ Gen 1.1
Mit Gott fängt alles an. Er ist es, der alles ins Leben ruft, bevor wir uns ihm annähern. Nicht anders war es bei mir. Er hat sich für mich entschieden, lange bevor ich ja zu seinem Ruf sagte.
Begrüßen möchte ich Sie/Euch alle ganz herzlich mit dieser einen Stelle aus dem 1. Buch Mose. Einem Vers, der für mich, eine tiefe Bedeutung in sich trägt:
„ER sprach zu Abram: Geh vor dich hin aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft, aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dich sehn lassen werde.“
Gen 12,1 – Text Rosenzweig-Buber
Im Laufe meines Lebens bin ich bis heute – ich habe kürzlich nochmals nachgezählt – genau dreißig Mal umgezogen. Das Unterwegssein war mir schon in die Wiege gelegt. Früh war der Ort, an dem meine Eltern mir anfangs das Bett machten und später ich selbst mich niederlegte ein wechselnder. Heute hier, morgen dort.
Im Nachhinein habe ich mich oft gefragt, wie war dies möglich? Wie konnte ich Beheimatung an so vielen Orten finden, Sicherheit und Geborgenheit?
Die heutige Form der Andacht spürt diesem Unterwegssein, das, so meine steile These, im Grunde, auch wenn viele von uns eher ortsverbunden sind und bleiben, zum Menschsein dazugehört nach.
Ich bin dankbar, dass mich Ina Buchacker mit ihrem Chor, Bernd Litzenberger und meine Frau Cornelia in der Vorbereitung begleitet haben und heute bei der Ausführung mit dabei sind.
Liturgia de la vida, Liturgie des Lebens habe ich sie genannt. In ihr und durch sie werden wir den Faden aufnehmen, den wir alle von Geburt an in unseren Händen halten und der im Miteinander so wunderbare Muster entstehen lässt.
Lied „Cantad al Señor – Ich sing dir mein Lied“
Cantad al Señor un cántico nuevo,
cantad al Señor un cántico nuevo,
cantad al Señor un cántico nuevo,
cantad al Señor, cantad al Señor.
Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,
du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.
Cantad al Señor, “¡Amén, aleluya!”
Cantad al Señor, “¡Amén, aleluya!”
Cantad al Señor, “¡Amén, aleluya!”
Cantad al Señor, cantad al Señor.
Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst,
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Psalm
Unterwegs zu sein
beweglich zu bleiben
Stets auf Neue die Freude am Endecken spüren
Sich überraschen lassen
Vertrauen können
dass es am Ende gut wird
dass Menschen mit mir unterwegs sind
dass ER mit seinen Segen all unser Sein umschließt.
Sprechen und beten wir ihm Wechsel Psalm 8 in der Übersetzung von Rosenzweig-Buber, jenen großen jüdischen Brüdern im Glauben:
L DU, unser Herr, wie herrlich ist dein Name in allem Erdreich!
G Du, dessen Hehre der Wettgesang gilt über den Himmel hin, aus der Kinder, der Säuglinge Mund hast du eine Macht gegründet, um deiner Bedränger willen, zu verabschieden Feind und Rachgierigen.
L Wenn ich ansehe deinen Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du hast gefestet,
G was ist das Menschlein, daß du sein gedenkst, der Adamssohn, daß du zuordnest ihm!
L Ließest ihm ein Geringes nur mangeln, göttlich zu sein, kröntest ihn mit Ehre und Glanz,
G hießest ihn walten der Werke deiner Hände. Alles setztest du ihm zu Füßen, Schafe und Rinder allsamt und auch das Getier des Feldes,
L den Vogel des Himmels und die Fische des Meers, was die Pfade der Meere durchwandert.
G DU, unser Herr, wie herrlich ist dein Name in allem Erdland!
Gloria„Ehre sei Gott“
Lied„Die Erde ist des Herrn“ EG 677
Biographisches I
Unterwegs zu sein, beginnt häufig damit, dass ich mich auf den Weg mache, ohne zu wissen, was mich wirklich erwartet. Als ich im August 1990 zu meinem ersten Schultag am Karl-Schiller-Berufskolleg in Wuppertal Barmen aufbrach hatte ich keine Vorstellung wie tiefgreifend die ersten Jahre im Pfarrdienst an einer Berufsschule werden sollten.
Im Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern musste ich vieles von dem, was ich im Studium gelernt hatte, hinter mir lassen. Einfühlsam galt es, eine völlig andere Welt kennenzulernen, verbunden mit einer anderen Sprache, anderen Gewohnheiten. In manchen Religionsstunden fiel nicht einmal das Wort Gott. Und doch habe ich zu erspüren gelernt, dass in der Art wie wir einander begegneten, über das Leben sprachen, viel von dem enthalten war, was den Glauben im Kern ausmacht.
Schlüsseltexte
Zwei kleine Texte haben mich im beruflichen und persönlichen Leben nachhaltig geprägt. Der eine ist ein Ausspruch Jesu und der andere ein Bekenntnis. Der eine spricht von dem Wesen der Nachfolge. Ich zitiere unkommentiert die bekannte Stelle aus dem 9. Kapitel des Lukasevangeliums. Sie spricht seit je für sich:
„Jesus erwiderte: »Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist nicht brauchbar für das Reich Gottes.“ Lukas 9,62
Der andere Text ist Teil der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 und gleichzeitig Teil meines Ordinationsgelübdes.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften. (Barmer Theologische Erklärung II)
Mit einem etwas anderen Bekenntnis möchte ich gemeinsam mit Euch/Ihnen heute unseren Glauben bekennen.
Glaubensbekenntnis
Wir glauben an Gott den Vater
Er liebt uns, wie ein Vater und eine Mutter.
Er hat uns und alles in der Welt geschaffen.
Wir vertrauen darauf,
dass er immer und überall für uns da ist.
Wir glauben an Jesus Christus.
Er ist Gottes Sohn für uns.
Er hat Kranke geheilt.
Er hat alle Menschen liebevoll angenommen.
Er hat mit Menschen gegessen,
mit denen keiner etwas zu tun haben wollte.
Er hat gute Lebensregeln gegeben.
Für ihn war die Liebe das Wichtigste.
Er hat uns wirklichen Frieden gebracht.
Wir sind seine Geschwister und Freunde.
Wir glauben an den Heiligen Geist.
Er ist Gottes guter Geist.
Er gibt Mut und Kraft zum Leben.
Er stärkt unsere Gemeinschaft.
Wir vertrauen darauf, dass Gottes Geist uns im Leben hilft. Amen
Biographisches II
Auf der Wanderschaft durchs Leben habe ich gerne gesungen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir einige Augenblicke aus den Jahren meines Dienstes:
- die Gesänge in Taizé, die auch Jugendliche, die mit mir auf Besinnungsfahrten dort waren, gerne gesungen haben – zuletzt auf der Fahrt gemeinsam mit den vier Taizéschwestern;
- das Singen im Altenheim für Demenzpatienten;
- Das Fenstersingen an den Abendenden im Advent, ob draußen in frostiger und verschneiter Umgebung oder eher subtropisch warm, wie zuletzt bei älteren Gemeindegliedern in Guatemala;
- Aber auch jener eher schräge Versuch, mit Schülerinnen und Schülern in die Welt des Obertonsingens einzutreten.
20 oben, ist eines jener Lieder, das eigentlich in den Advent gehört und der Chor heute singen wird. Warum 20 oben? Ganz einfach, weil es auf der Seite 20 oben im Liederheft des Fenstersingens stand.
Lied „Tochter Zion“ (Chor)
Biographisches III
In anderen Ländern eine je eigene Art des Singens zu erleben, war für mich immer eine große Bereicherung. So habe ich in Kolumbien erlebt, dass der Gesang im Alltag einfach dazugehört. Selbst bei Taxifahrten kann es passieren, dass der Fahrer ein Lied aus dem Radio mitsingt, und Cornelia an meiner Seite ebenfalls mit einstimmt. Manchmal hat sich bei mir sogar der Eindruck eingestellt, Menschen würden im Singen – und dazu gehört für viele auch der Tanz – gleichsam das Leben tanzen. Nichts kann so schwerwiegend im Leben sein, als dass man mit anderen die Stimme erhebt und dazu die Hüften schwingt.
Hören wir nun ein besonderes kolumbianisches Lied aus der dortigen Adventszeit.
Lied „El burrito de Belen“
Biographisches IV
Spät im Leben habe ich den Kontinent meiner Vorfahren wiederentdeckt. Jene Menschen, die es wie hier aus der Region im 19. Jahrhundert in eine unbekannte Zukunft lockte. Da ist es wieder dieses „Mache-dich-auf“. Warum sie häufig geblieben sind, sie, auch wenn sie erst nach dem 2. Weltkrieg dorthin kamen, nie wieder zurück wollten, konnte ich lange nicht nachvollziehen. Bis ich selbst im Pfarrdienst als entsandter Pfarrer der EKD in diese zunächst in vielem sehr fremde Welt eintauchte.
In vielen Begegnungen zunächst in Kolumbien und zuletzt in Guatemala sind mir Menschen begegnet, die mir immer wieder ein Fenster in eine Sorglosigkeit des Lebens geöffnet haben.
Wie kann man von der Hand in den Mund leben und dabei glücklich und zufrieden sein? Diese Frage hat mich anfangs tief bewegt. Irgendwann vergaß ich sie zu stellen. Jene Menschen, die mir begegneten, strahlten in ihrem Sein etwas aus, das mich in den Bann nahm – ob Gabriel mit seinem Traum, als Straßenkünstler seine Bilder an Touristen verkaufen zu können, oder Élvia, die Weniges ihres Lebens selbstverständlich mit jenen teilt, jene, die noch weniger haben. Ihr Herz und ihre Tür sind stets offen, wenn Menschen auf der Flucht in das gelobte Land des Nordens Halt in Guatemala-Stadt machen.
Lesung
Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.
Ausblick
Die Vision einer Zukunft, einer Welt, in der Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung, durch unser gemeinsames Tun mehr und mehr Gestalt gewinnt, dies hat mich durch meine Dienstjahre begleitet, egal wo ich war:
Ein Reich das alle, die Teil davon werden,
stets aufatmen lässt,
sie in Bewegung bringt,
singen, tanzen und klatschen lässt,
berührt, verführt und begeistert,
so dass am Ende immer ein Glanz
in ihren Gesichtern aufleuchtet.
und dies von der Wiege bis zum Totenbett.
Wenn ich dann, wie auf der Fahrt nach Taizé in glückliche Gesichter der Teilnehmerinnen schauen kann, bin ich innerlich bewegt und dankbar.
Lied „Erleuchte und bewege uns“ EG 608
UtopieHanns Dieter Hüsch
Ich seh ein Land mit neuen Bäumen.
Ich seh ein Haus mit grünem Strauch.
Und einen Fluss mit flinken Fischen.
Und einen Himmel aus Hortensien seh ich auch.
Ich seh ein Licht von Unschuld weiß.
Und einen Berg, der unberührt.
Im Tal des Friedens geht ein junger Schäfer,
Der alle Tiere in die Freiheit führt.
Ich hör ein Herz, das tapfer schlägt,
In einem Menschen, den es noch nicht gibt,
Doch dessen Ankunft mich schon jetzt bewegt.
Weil er erscheint und seine Feinde liebt.
Das ist die Zeit, die ich nicht mehr erlebe,
Das ist die Welt, die nicht von unsrer Welt.
Sie ist von fein gesponnenen Gewebe,
Und Freunde, glaubt und seht: sie hält.
Das ist das Land, nach dem ich mich so sehne,
Das mir durch Kopf und Körper schwimmt,
Mein Sterbenswort und meine Lebenskantilene,
Dass jeder jeden in die Arme nimmt.
Friedensgruß
Lied „Du hast vereint in allen Zonen“ EG 609,1
Entpflichtung
